KÜNSTLER / Kunst nach 1945
Winfred Gaul

Ohne Titel, 1959
© Winfred Gaul / VG Bild-Kunst, Bonn

Winfred Gaul

Ohne Titel, 1959

Öl auf Leinwand
100 × 140 cm

signiert m. : Gaul; verso signiert und bezeichnet: GAUL APR. 59
(GAULW/M 37)

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Literatur: Lothar Romain, Winfred Gaul. Werkverzeichnis der Gemälde. 1962-1983, Bd.II, Düsseldorf 1993, Nr. 190, Abb. S. 117, große Farbabbildung S. 68

Winfred Gaul hat in seiner künstlerischen Laufbahn in einer großen Experimentierfreude Arbeiten geschaffen, die entwicklungstechnisch betrachtet nie auf ein allgemeingültiges Ziel ausgerichtet waren. Er begann seine malerischen Erkundungen nach dem Studium bei Manfred Henninger und Willi Baumeister an der Stuttgarter Akademie im Stil des Informel der 1950er Jahre. Das unbetitelte Werk, das er 1959 schuf, steht als frühes Dokument für seine frühe impulsiv-gestisch geprägte Phase. In kontinuierlich übereinander gesetzten Pinselstrichen gehen die Über-malungen so ineinander über, dass aus der Ferne betrachtet eine nahezu monochrome Fläche entsteht. Beim näheren Herantreten lassen sich die gestischen Spuren und Übermalungen wie eine engmaschige Netzstruktur lesen. Ausgespart bleibt mit Ausnahme der malerischen Flächen in der rechteckförmigen Bildecke der gesamte Rest der Bildfläche, die sich in zurückhaltendem Weißton gibt. Damit erfährt die dynamische Aussage des Gemäldes eine Steigerung und das Werk wird zum malerischen Kraftfeld. Mit der Konsequenz alles Narrative oder Deutbare auszuklammern, verzichtet der Künstler bereits ab 1955 bewusst auf jegliche Titelgebung. Durch die Abkehr von der traditionellen Bildaussage zugunsten der Form gehört Gaul zu derjenigen Anhängerschaft von Künstlern, die sich der freien Formgebung verpflichtet fühlte und eine bis dato nicht da gewesene Autonomie des Malprozesses sowie der Bildmittel erreichte. »Die Malerei ist ein traditionelles Medium mit einem begrenzten Radius von Möglichkeiten. Indem ich male, akzeptiere ich bewusst die Grenzen der Malerei. Innerhalb dieser Grenzen aber kenne ich kein Tabu.« (Winfred Gaul)
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