KÜNSTLER / Kunst nach 1945
Winfred Gaul

Ohne Titel, 1963
© Winfred Gaul / VG Bild-Kunst, Bonn

Winfred Gaul

Ohne Titel, 1963

Mischtechnik, Collage mit Bilderrahmen und Schlinge
95 × 67 cm

verso signiert und datiert »Gaul '63«
(GAULW/M 96)

€ 16.000
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Winfred Gaul betrat nach seinem Aufenthalt in New York 1962 einen Seitenpfad innerhalb seiner Pop-Art-Arbeiten, die eine deutliche Nähe zum Neo-Dada aufzeigte. Dazu gehörte etwa das »Kleine Galgenbild« (Museum Ludwig, 1963) oder dieses titellose Werk aus derselben Zeit. Die Verbindung war nicht verwunderlich, fand er sich doch ohnehin bestätigt durch Andy Warhol, der wiederum den Bogen von der Pop Art zurück zum Dadaismus spannte: »Dada muss irgendwie eine Verbindung zu Pop haben – es ist ganz komisch, denn beide Namen sind im Grunde Synonyme. Weiß irgendjemand, was sie bedeuten sollen oder worauf sie sich beziehen, diese Namen? Johns und Rauschenberg – die ganzen Jahre hindurch hieß es, sie seien Neo-Dada, und alle meinten sie seien epigonal und unfähig, die von ihnen verwendeten Dinge irgendwie zu verwandeln – werden heute als Vorläufer der Popkunst gehandelt. Es ist komisch, wie sich die Dinge wandeln.« Gauls Materialcollage von 1963 integriert nicht nur einen ins Bild montierten kleinen Bilderrahmen - die Arbeit selbst ist ungerahmt - als Bild im Bild mit einem Drahtschlingenmotiv, welches die gestisch-zeichnerische Abstraktion daneben aufgreift, sowie cartoonartige und typografisch-sprachliche wie semiotische Elemente und Zeichen: Links deutet Gaul ein karikaturhaft fletschendes Gebiss an, dessen rosafarbener Hintergrund ohne jegliche konkretisierbare Gewähr als monumentaler Kopf figuriert, an dessen Stirnseite ein Haken aus der Leinwand ragt. Salopp gezogene Pfeile auf den hellen Flächen geben eine vage Blickrichtung von unten nach oben an. Im mittig eincollagierten Blatt mit der gestischen Zeichnung ist unter der geschwärzten Fläche eine Textpassage fragmenthaft zu lesen. Sie verweist auf die Person Rochus Spieckers, eines Publizisten, Drehbuchautors und Theologen, dessen Lebensmotto lautete: »Den Kern freilegen, ohne die Haut zu verletzen.« Farblich entfaltet Gaul auf der Leinwand ein poetisches Spiel von Rosa- über Schwarz-, dezenten Rot- und Blautönen bis hin zu einem leuchtenden Orange, welches das gerahmte Bild im Bild zu einer geheimnisvollen, bedrohlich-schönen Landschaft im Abendrot macht.
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