Spurensuche / Positionen der Avantgarde

The Red Wall, 1967
© Anthony Green / VG Bild-Kunst, Bonn

Anthony Green

The Red Wall, 1967

Öl auf Hartfaserplatte
125 × 120 cm

verso signiert, datiert und betitelt: The Red Wall 1967 Anthony Green; Galerieetikett der Rowan Gallery, London
(GREENA/M 1)

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Literatur: Deutsche Bauzeitung 7 (1968), S. 528 (Abb.)

Alles bestimmend, präsentiert Anthony Green in seinem Gemälde von 1967 die titelgebende rote Wand, der sich die in die Ecken verbannten Gegenstände und sogar die dargestellte Person, ein Selbstporträt des Künstlers, im Vordergrund beugen – gegen jegliche Perspektive und inhaltliche Logik: Die Wandfläche zwingt alles in die zwei Dimensionen der Leinwand. So wird das Bild zur Reflexion über die Malerei an sich, denn die Wand, die allein durch deutlich sichtbare Pinselspuren insgeheim zur gestisch-monochromen Abstraktion wird, bevor die Dingwelt und insbesondere der Titel sie überhaupt zur Wand macht. Die bildnerische, um nicht zu sagen: fingierte (Sur-)Realität baut sich zusammen durch die beliebige Addition von Erinnerungsfragmenten, die der Künstler bewusst komponiert: Ein opulent gestalteter Kronleuchter und ein angedeutetes Eckschränkchen markieren die Deckenpartie, ein Beistelltischchen mit einem Blumenstrauß und ein Beistelltisch den Boden. Der emotionslos wirkende Protagonist in Dreiviertelsdarstellung sitzt in einem gemusterten orangefarbenen Sessel, der ihn als flächiges Rahmenmotiv umgibt und sich jeglicher Plastizität verweigert – der Raum im gemalten Bild ist nur in der Fläche denkbar.

Anthony Green beschränkte sich in seiner Motivwahl auf den Verwandten- und Bekanntenkreis, die er in fragmentierten Erinnerungsbildern zu allgemein gültigen Aussagen verwandelte. Nahe der naiven Malerei, inspiriert von Pop Art und Neuem Realismus, schuf er eine Scheinrealität, die sich aus dieser erinnerten Phantasie speist – Bilder zwischen Erzählung, Illustration und Chronik. Nachdem Green in den 1960er Jahren den Flächenraum ausgelotet hatte, ging er zu Raumflächen über, die er in sog. »Shaped Canvases« zusammensetzte, als seien die Räume aus der Vogelperspektive aus gesehen, nach wie vor jedoch bewusst gegen eine mathematisch logische Raumwirkung. »In meinem Kopf habe ich Erinnerungsbilder... Ich erinnere mich nicht an Leute, Zimmer, Ereignisse von einem festen Standpunkt aus – ich erinnere mich nur daran... Meine Aufgabe als Künstler ist es, diese visuellen Bilder zu pflücken und sie als Bestandteile meiner Bilder zusammenzufügen.«
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