Vielfältig wie die Welt

Ohne Titel, 1958
© Fred Thieler / VG Bild-Kunst, Bonn

Fred Thieler

Ohne Titel, 1958

Siebdruckfarbe / Öl, Mischtechnik auf Karton
96 × 67,5 cm

signiert und datiert u. r.: F. Thieler 58; verso datiert
NL 422
(THIELF/M 71)

€ 27.000
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Nachdem Fred Thieler als Gast, dann als Mitglied der Gruppe ZEN 49 sein Profil als informeller Künstler geschärft hatte - inspiriert durch Begegnungen mit dem französischen Tachismus -, begann er mit Experimenten, die der Farbe einen freieren, wenn auch noch gesteuerten Lauf zugestanden. Seit 1954 setzte er vermehrt Spachtel ein, die eine kristalline Wirkung der anfangs verwendeten, zähen Siebdruckfarbe erzeugte. Die Technik führte »zu konstruktiven Rhythmen ..., die im Gegensatz zu den früheren Arbeiten eine schon vorbereitete technische Farbskala erforderte«. Diese von ihm so genannte »Spachtelzeit« geht einher mit einer konzentrierten Farbigkeit. In der titellosen Mischtechnik-Arbeit von 1958 treten Blau und Gelb als Farbe hervor, die sich in nahezu futuristischer Manier für eine bildbestimmende Stellung gegen das Schwarz und Weiß zu behaupten scheinen. Das Werk deutet aber schon eine Wende an: Die Phase kristalliner Spachtelbilder wirkt hier geläuterter als die Vorgängerarbeiten. Die kristalline Struktur der Malerei zeigt aber nach wie vor eine dynamische Rhythmik, welche sich eher gefühlt als kalkuliert von unten nach oben bewegt und in eine kreisende Tendenz mündet. Im Format hängt er noch dem älteren, vom Trocknungstempo der Siebdruckfarbe abhängigen Mittelformat nach, das er erst im neuen Jahrzehnt ablegt zugunsten größerer Leinwände. Die schnell trocknende Farbe erforderte eine hohe Malgeschwindigkeit, weshalb das Format nach eigenem Bekunden unter einem Quadratmeter sein musste. Thieler beschreibt diese Phase als »naturhaft strukturnah ..., vielleicht mehr ein Atemholen, vielleicht auch der Versuch, die ganze Fläche durchzumodellieren«, zwischen »meditativer Aktion und beobachtender Meditation«. Rückblickend schreibt er: »... in den Fünfziger Jahren ... habe ich mich versucht zu sammeln und zwar auf die verschiedenste Art. An sich hat mir, glaube ich, die dynamische Malerei meines Charakters wegen gelegen, und doch habe ich immer versucht, die Dynamik nicht ins Uferlose gehen zu lassen, sondern auch im Bild immer wieder zu einem Mittelpunkt, zu einer Konzentration zu führen.« Die Arbeit fällt auch in die Schaffensphase, mit der Thieler auf der Biennale in Venedig und auf der Documenta in Kassel 1958 und 1959 präsent war.

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