Vielfältig wie die Welt

Heilige Doppelaxt (Sonnensymbol), 1930er Jahre
© Julius Bissier / VG Bild-Kunst, Bonn

Julius Bissier

Heilige Doppelaxt (Sonnensymbol), 1930er Jahre

Tusche auf rosarotem Papier
62,4 × 47,8 cm

bezeichnet u. l.: heilige Doppelaxt (Sonnensymbol) und u. r. Signaturstempel
(BISSIJ/P 41, 19571)

€ 12.000
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Literatur: Kat. Julius Bissier. Galerie Schlichtenmaier / Hagenauer Museum, Grafenau/Stuttgart 2015, S. 14

1938/39 entstand eine Serie von Tuschearbeiten auf rosarotem Papier, in deren Zentrum Julius Bissier monumentale Flächenformen stellt. Das vorliegende Werk ist nicht datiert, könnte aber in diesem Kontext stehen. Deutlich erkennbar sind die Zeichenhaftigkeit chinesischer Tuschmalerei, aber auch die Inspiration durch Willi Baumeister. Neben freien Formen finden sich bei den Arbeiten um 1938 symbolische Anspielungen (»Die Zwillinge«). Die abstrahierte Doppelaxt-Darstellung – mit einer symmetrisch nach zwei Seiten gestalteten, abgerundeten Klinge – ist gleich vielfach bedeutsam: einmal durch die Auszeichnung als »Heilige Doppelaxt«, zum anderen durch den alternativen Titel »Sonnensymbol«. Bekannt ist das Symbol aus der altkretischen Kultur als Sinnbild der Frauenherrschaft; es taucht aber auch in Lykien, Lydien und Anatolien sowie bei den Etruskern und Römern auf. In vorgeschichtlicher Zeit fand man Doppeläxte in Frauengräbern. Dass Bissier von einer solchen Symbolik wusste, ist anzunehmen, da er sich intensiv mit den Studien von Johann Jacob Bachofen zum Matriarchat und zur antiken Gräbersymbolik auseinandergesetzt hatte. Die Sonnensymbolik rührt wahrscheinlich von minoischen Kulten her, nach denen sich die Sonne als männliches Element im Kampf mit dem Mond als weiblichem Symbol befand. In der kretischen Ikonographie taucht auch ein doppelaxtförmiger Schmetterling als Symbol des Lebens auf – ein bestechender Gedanke angesichts von Bissiers Zeichnung. Ob die Politisierung des Sinnbildes ab den späten 1930er Jahren hier eine Rolle spielt, bleibt unklar.
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