Thomas Lenk & Friends

Concetto spaziale, 1963
© Lucio Fontana / VG Bild-Kunst, Bonn

Lucio Fontana

Concetto spaziale, 1963

Radierung, geschnittene Löcher
31,5 × 32 cm

signiert u. r.: l. fontana
außerhalb der Auflage von 65 Exemplaren
(FONTAL/D 3)

verkauft
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Lucio Fontana wurde in den 1960er international berühmt durch seine aufgeschlitzten Leinwände, die er allerdings nicht - wie manche seiner Anhänger verkündeten - als Akte einer antikünstlerischen Revolution sah, sondern als Akt der »Freiheit, Kunst durch irgendwin beliebiges Mittel, irgendeine beliebige Form zu verwirklichen«: weniger destruktiv als konstruktiv. »Meine Kunst ist ganz geprägt von dieser Reinheit, von dieser Philosophie des Nichts, das nicht das Nichts der Zerstörung ist, sondern das Nichts der Schöpfung.« Bei seiner Radierung aus dem Jahr 1963 lässt sich dieser schöpferische Akt nachvollziehen. Anders als in den aufgeschlitzten Leinwandarbeiten reißt der Künstler eine löchrige Spur über eine senkrecht dominierte Linienverdichtung, als ginge es darum, dieses gestische Geflecht neu zu strukturieren. Das auf den ersten Blick gekritzelte und malträtierte Liniengewirr wird von einer annähernd ovalen, unten geöffneten Linie umgrenzt. Wird man gewahr, dass die Radierung eine Tiefdrucktechnik ist, in der die zu druckenden Linien in die Metallplatte (Zink, Kupfer) gestochen werden, also das gedruckte Bild auf einem gewalttätigen Eingriff in die Platte basiert, führt die Bearbeitung des Papiers über dem Druckbild die Idee des Eingriffs weiter. Das eine wird als Gestaltung angesehen, das andere als Zerstörung. Dem entspricht, dass eine Druckgrafik deutlich mehr Kalkül erfordert - der Stichel führt sich notgedrungen mit mehr Bedacht als etwa ein Pinsel, während die Löcher willkürlich erscheinen. Es ist aber wohl anders: Die Setzung der Radierung mit ihren seitlichen und schrägen Ausbrüchen bewahrt sich jedoch eine Spontaneität, die von der gerissenen Spur nicht nur überarbeitet, sondern auch ausgerichtet wird. Die größeren und kleineren Ausrisse lassen übersehen, dass es eine ganze Reißspur von oben nach unten gibt. Aus dem scheinbaren Gekrakel wird ein Raum-Konzept, das bis ins Kleinste in ein Innen und Außen durchgespielt ist: sogar die teilrunde Umkreisung spielt mit diesen Begriffspaaren, zudem mit der offenen und geschlossenen Form. Dieses Öffnen und Schließen, Formen und Loslassen, Gestalten und Zerstören - sprich: Werden und Vergehen - machen das Bild zu einem vitalen, existenzialistischen Fanal, über dem hinweg man das abstrakte Motiv assoziativ als vaginale, lebensspendende Chiffre lesen kann: die Kunst als eine Art Geburt.
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