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Otto Ritschl / Vom Anspruch der Farbe

 
Der in Erfurt geborene Maler Otto Ritschl (1885–1976) verzeichnet als Bühnenautor noch während des Ersten Weltkriegs erste Erfolge und wird in der Presse als »Hoffnung des deutschen Lustspiels« gefeiert. Doch unter dem Eindruck des gesellschaftlichen Zusammenbruchs am Ende des Krieges und aufgrund seiner an Nietzsche, Schopenhauer und der Theosophie geschulten Haltung schwenkte Ritschl um 1918/19 zur Malerei über. Der künstlerische Autodidakt orientierte sich zunächst an der Neuen Sachlichkeit, später am spielerischen Stil Picassos, bevor er an Willi Baumeister, Ernst Wilhelm Nay und Georg Meistermann vorbei seinen eigenen Stil entwickelt. Am stärksten kommt dieser in der Mitte des 20. Jahrhunderts zum Tragen, in denen Ritschl eine völlig eigenständige, singuläre Bildsprache findet, die sich in den unterschiedlichsten Farbklängen in die verschiedenen Strömungen der abstrakten Malerei Europas einreiht. Die »monumentale Entmaterialisierung« (Kurt Leonhard) nähert sich, entfernt, einer zunehmend konturlosen Farbmystik, die zwar extreme Positionen bezieht, aber nie in eine geistige Enge verfällt. Die Ausstellung widmet sich diesen entscheidenden Jahrzehnten, in denen das Werk Otto Ritschls unter Einbeziehungen zen-buddhistischen Gedankenguts eine visionäre Kraft entfaltet.

Dem Gleichgewicht von Ritschls Kompositionen liegt stets eine gliedernde Ordnung zu Grunde. Farbflächen verzahnen sich zu großflächig rhythmisierten Formgebärden oder sie entfalten sich in pulsierenden Schwingungen. Vereinzelt und ohne inhaltliche Zusammenhänge können zwar Raumbezüge hergestellt werden, doch entziehen sie sich jeglicher Tiefenstaffelung: Der Dialog der Bildelemente findet allein auf der Fläche statt, die »völlig durchgeformt« ist und »nicht mehr die Dualität von Grund und darauf liegenden Formen zeigt« (Ritschl). Zugleich verneint er auch jegliche »stoffliche, räumliche oder atmosphärische« Färbung eines Als-ob, das heißt eine am Gegenstand entwickelte oder orientierte Farbgestaltung – abstrakte Form ist und bleibt für Otto Ritschl autonom.
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