KÜNSTLER / Kunst der Moderne
Willi Baumeister


Verfügbare Werke
Willi Baumeister
Willi Baumeister 1951 vor dem Gemälde Allegro; CC-BY-NC-SA Archiv Baumeister
1889geboren in Stuttgart
1905Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart
1909Komponierklasse bei Adolf Hölzel
1911Aufenthalt in Paris und Beschäftigung mit Cézanne
1913Teilnahme am ersten deutschen Herbstsalon von Herwarth Walden in Berlin
1924Reise nach Paris, Baumeister lernt Léger und Le Corbusier kennen
1928Beginn der Lehrtätigkeit an der Städtischen Kunstgewerbeschule Frankfurt/M.
1929Ausstellungen bei Flechtheim, Berlin und Kahnweiler, Paris
1930Mitglied von »Circle et Carré«, Paris
1931Monografie von Will Grohmann
1932Ausstellung bei Cassirer in Berlin zusammen mit Klee, Kandinsky und
 Schlemmer
1937Arbeit für die Lackfabrik des Wuppertaler Fabrikanten Dr. Kurt Herberts
 (zusammen mit Oskar Schlemmer)
1943/44Veröffentlichung von »Das Unbekannte in der Kunst«
1946Berufung an die Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart
1955gestorben in Stuttgart
Willi Baumeister hat auf dem Gebiet der ungegenständlichen Kunst ein halbes Jahrhundert lang die Entwicklung des deutschen Kunstlebens maßgeblich geprägt. Er zählt zu den bedeutendsten Wegbereitern der deutschen Avantgarde. Aus kunsthistorischer Distanz betrachtet gelingt es Baumeister am konsequentesten, die innovativen Ideen seines Lehrers Adolf Hölzel weiterzuentwickeln und in einem sich permanent wandelnden Werkprozess, der sich in mannigfaltig durchlaufenen Entwicklungsphasen äußert, zu etwas ganz Eigenem auszubauen. Bei Baumeister verschmelzen die Figurationen verstärkt mit den Farben und kreieren ein Ineinandergreifen von Farb- und Konturlinienformen. Beginnend mit seiner als afrikanische Serie betitelten Werkgruppe bildeten nach 1940 die fortgesetzten Reduktionsschritte Archaismen aus, in denen sich mythische Gehalte auszusprechen begannen. Durch den Einsatz von kryptischen Schriftzeichen, gelingt es Baumeister, die reduktiven Anforderungen der abstrakten Bildidee zu erfüllen und dabei gleichzeitig erzählerische Assoziationen mit abstrakten Mitteln zu wecken. Er lässt Kunstwerke entstehen, in denen versteckte Formeln thematisiert werden, die im Verborgenen, hinter der Wirklichkeit, walten. Dass dabei die Form und ihre Anwendung zum primären Bildinhalt erklärt wird, steht im Einklang mit Baumeisters Vorstellung von dem »Unbekannten in der Kunst«.
Im Kontext des sich in den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts vollziehenden epochalen Siegeszuges der Formgesetzmäßigkeiten über den Naturalismus sowie in Angesicht von umwälzenden Veränderungen in den Lebenssituationen, die von den neuen Erkenntnissen in der Forschung und den Naturwissenschaften über die politisch-gesellschaftlichen Umbrüche bis hin zu den schreckhaften Erfahrungen der beiden Weltkriege reichen, gelingt es Baumeister, sowohl den künstlerischen Fortschritt sowie den Wiederanschluss an das Zeitalter der abstrakten Moderne, nicht nur in der deutschen Kunstlandschaft, sondern europaweit, zu ebnen. Sein Verdienst ist demnach auch darin zu sehen, als wichtiger Impulsgeber auf dem zukunftsweisenden Weg in eine von der Vergangenheit unbelastete Moderne zu fungieren. 
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